Entwicklungsprozessdefinition und Anforderungsmanagement für die Automobilzulieferindustrie

Der Auftraggeber

Siemens AG,
Division Digital Factory, Unit eCar Powertrain Systems

Die Division Digital Factory der Siemens AG fördert mit einem umfangreichen Portfolio an Hard- und Softwareprodukten die nahtlose datentechnische Integration von Wertschöpfungsketten in der Industrie. In der Unit eCar Powertrain Systems bündelt Siemens seine umfangreichen Erfahrungen auf den Gebieten Energie, Mobilität und IT. Für die elektrizitätsbasierte Mobilität der Zukunft bietet die Business Unit Lösungen wie Elektromotoren, Umrichter, LED-Scheinwerfer für Elektroautos oder Stromtankstellen. Für Auftraggeber aus der Automobilindustrie übernimmt die Business Unit die Serienentwicklung und -produktion von elektrischen Fahrzeugantrieben und nutzt dabei die jahrzehntelang bewährte Kompetenz des Konzerns auf dem Gebiet elektrischer Industrieantriebe im sicherheitskritischen Umfeld der Automobilentwicklung.

Das Projekt

Entwicklungsprozesse in der Automobilzulieferindustrie werden von zahlreichen komplexitätssteigernden Randbedingungen geprägt: Neben den individuellen funktionalen und nichtfunktionalen Anforderungen des Automobilherstellers (OEM) sind die Einhaltung einschlägiger Normen (z.B. ISO 26262) zu beachten und die Konformität zu diversen Qualitätsrichtlinien und Reifegradmodellen (z.B. CMMI, ASpice) zu gewährleisten. Aus Kosten- und Qualitätsgründen muss außerdem neben den kundenspezifischen Lösungen für einzelne OEMs eine Produktplattform aus wiederverwendbaren Hardware-, Software- und Mechanikkomponenten aufgebaut werden.

Die Business Unit eCar Powertrain Systems der Siemens AG stand vor der Aufgabe, einen Entwicklungsprozess zu definieren und einzuführen, der diesen Randbedingungen Rechnung trägt. Besondere Bedeutung kam dabei dem Anforderungsmanagement zu. Hier galt es, einerseits eine vollständige, konsistente und effiziente Verwaltung sämtlicher Anforderungen aus Kundenprojekten und Plattformentwicklung sicherzustellen und andererseits eine bidirektionale Verfolgbarkeit (Traceability) zwischen den Anforderungen und den diversen Entwicklungsartefakten zu gewährleisten.

Unsere Aufgaben

Die develop group wurde beauftragt, die Business Unit eCar Powertrain Systems bei der Definition der Systementwicklungsprozesse und der Konzeption eines maßgeschneiderten Daten- und Vorgehensmodells für das Anforderungsmanagement zu unterstützen. Unsere Berater moderierten zunächst die Diskussionen zwischen den an der Prozessausführung beteiligten Entwicklungsdisziplinen (u. a. Hardware, Software, Mechanik, Safety und Systemtest), um deren Vorgehen in einen konsistenten globalen Prozessablauf zu integrieren. Hierbei waren insbesondere die Synchronisation zwischen Hard- und Softwareentwicklung, die parallele Entwicklung verschiedener Subsysteme wie auch die iterative Entwicklung mehrerer Musterstände abzubilden.

Speziell für die Teilprozesse des Anforderungsmanagements konzipierten unsere Berater eine detaillierte Prozessvorschrift sowie ein Datenmodell zur Strukturierung und Verfolgung von Anforderungen. Daneben entstand ein ausführliches Prozesshandbuch als Hilfestellung und Arbeitsgrundlage für die am Anforderungsmanagements beteiligten Prozessrollen. Um den Prozess und das Datenmodell effizient umzusetzen, wurde außerdem ein kommerziell verfügbares Anforderungsmanagementwerkzeug (Teamcenter Systems Engineering) individuell angepasst und konfiguriert. Unsere Berater spezifizierten die erforderlichen Modifikationen des Standardwerkzeugs und unterstützten den Auftraggeber bei deren Implementierung.

Das technische Projektumfeld

  • Entwicklungsprozessmodellierung: ARIS-Toolset (IDS Scheer)
  • Customizing des Anforderungsmanagement-Werkzeugs: Teamcenter Systems Engineering, XML, XMI, Java

Der Projektstatus (Stand: Mai 2015)

Der mit dem ARIS-Toolset ausmodellierte Entwicklungsprozess ist in einer umfangreichen Prozessbeschreibung dokumentiert und wird in ersten Kundenprojekten der Business Unit eingesetzt. Unsere Berater begleiten die praktische Prozessanwendung durch gezielte Schulungs- und Coachingmaßnahmen und leisten bei Verständnisproblemen oder Fragen zur konkreten Interpretation der Prozessvorgaben aktive Hilfestellung.

Aktuell führen unsere Berater eine Untersuchung des Soll-Prozesses und der "gelebten" Ist-Prozesse im Hinblick auf die Anforderungen des CMMI-Reifegradlevels 3 durch. In diesem Zusammenhang werden diverse Prozessverbesserungen sowie unterstützende Maßnahmen für die prozesskonforme Durchführung der Projektarbeit etabliert. Für das zweite Halbjahr 2015 ist ein Audit geplant, in dem unabhängige Gutachter die Erreichung des angestrebten Prozessreifegradlevels überprüfen werden.

Diesen Projektbericht können Sie hier herunterladen: Initiates file downloadDownload PDF

Ihr Projekt-Ansprechpartner

Mail to Dr. Martin JungDr. Martin Jung
Bereich Software Engineering Consulting